Die Geschichte von Józefów

 

Tomasz Józef ZamoyskiDas Gebiet, auf dem es heute die Gemeinde Józefów gibt, gehörte zuerst zum Landratsamt Niegrodowo-Zamechskie. Seit 1569 hatte es in Pacht Stanisław Zamoyski, im Jahre 1588 wurde es  vom Sejm (polnische Gesetzgebende Instanz) seinem Sohn Jan Zamoyski verliehen.  Der nächste Sejm berief zum Leben Ordynacja Zamoyska (das Landgut mit eigenem Statut, in dem man nach eigenen Rechten erbte). In ihrem Zentrum auf dem Boden vom Dorf Majdan Nepryski wurde Józefów gegründet. Zu diesem Ereignis kam es am 3. Dezember 1725 aufgrund des in Zamość von dem 5. Inhaber von Ordynacja Zamoyska Tomasz Józef Zamoyski unterschriebenen Lokationsertrags von Józefów. Dieses Ereignis beendete vieljährige Bemühungen Tomasz Józef Zamoyskis um die Gründung der Stadt, die als Handels-, Dienstleistungs- und Verwaltungszentrum in diesem Teil von Ordynacja sein könnte. 

Die auf dem Magdeburger Recht gegründete Stadt Józefów erfüllte diese Hoffnung und schon in den 50-er Jahren des 18. Jahrhunderts gehörte zu wichtigsten Gebieten von Ordynacja. Schon vor der Gründung von Józefów entstand dank der Bemühungen von Tomasz Józef Zamoyski die römisch-katholische Pfarrei. Der Markt, der einen Quadrat von ungefähr 170 Meter bildete, diente als Grundlage des Stadtplans. Um den Markt herum wurden charakteristische Häuser mit typischem hohem Dachgeschoss und großem Schopfwalm- oder Krüppelwalmdach gebaut, unter denen die Dienstleistung und der Handel blühten. In den Jahren 1726-1728 wurde in der Mitte des Markts das imposante hölzerne Rathaus mit Arkaden, die auch zum Handelszwecken dienten,   gebaut.

Mit den Stadtrechten bekam Józefów auch das Recht zum Organisieren von 4 Jahrmärkten und zur Herstellung und zum Handel der Spirituosen. In der Stadt entwickelte sich Handel, Handwerk (Stadtbewohner flochten hauptsächlich die Gegenstände aus Binsen), die Steingewinnung und Steinverarbeitung und das Kalksbrennen. In der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand 5 km von Józefów an dem Fluß Sopot die metallurgische Fabrik Hamernia, die in der Herstellung der kupfernen Genstände hauptsächlich für die Lebensmittelindustrie zielte. Man produzierte hier kupferne Rohre, Kessel, Beschläge für Brauereien, Brennereien, Mühlen, Windmühlen, auch Bleche aus Kupfer als Stoff für andere metallurgischen Fabriken. Die Empfängerin dieser Produkte war am häufigsten die Besitzerin von Hamernia. Hier reparierte auch die kupfernen Einrichtungen. Hamernia funktionierte bis 1862.

Außer Hamernia befand sich am derselben Flussseite Sopot die zweite Manufaktur – die Papierfabrik, die anfangs das Papier für die Kanzlei von Ordynacja produzierte. In den Jahren 1820-1841 funktionierte sie ausgezeichnet insbesondere nach der Entstehung in Józefów im Jahre 1820 die Druckerei der hebräischen Bücher. Der Besitzer der Druckerei war C. Wax. Die Druckerei benutzte zur Produktion das Papier aus der nahliegenden Papierfabrik. In den 30-er Jahren des 19. Jahrhunderts bestand ihre Jahresproduktion 80 Prozent der Gesamtpapierproduktion in der Woiwodschaft Lublin. Die Papierfabrik funktionierte bis 1883, wann sie im Brand total zerstört wurde. Die Brände schonte Józefów nicht, im 1815 verbrannten 7 Häuser, 3 Jahre später das Rathaus und im Jahre 1850 die Synagoge. Die Choleraepidemie verschlang dazu in den Jahren 1853-1855 über 200 Opfer. 

Während des Januaraufstandes (1863-1864) kam es in der Gegend von Józefów zu kleinen Gefechten der aufständischen Truppen mit der Truppen der russischen Armee. Zu dem größten Kampf kam es im Wald Dębowce, wo am 24. April 1863 28 Aufständischen ihr Leben verloren. Zu den Opfern gehörte auch der junge begabte Poet Mieczysław Romanowski. Sein Name trägt heute die Grundschule in Józefów, wo in einer Schulstube die Lebenserinnerungenan von Mieczysław Romanowski gesammelt wurden. Ein paar Jahre nach dem Untergang des Aufstandes verlor Józefów die Stadtrechte, was sich zur Hemmung der Stadtentwicklung beitrug. Zur wirtschaftlichen Blüte kam es erst in den Jahren 1918-1939. Die Anzahl der Bewohner verdoppelte sich von 1344 im Jahre 1921 bis circa 3000 im Jahre 1939. Die Mehrheit der Bürger besaß jüdische Vorfahren. Es entwickelten sich unterschiedliche politische und gesellschaftliche Organisationen und die Stadt wurde das Handels- und Handwerkszentrum. 

Der zweite Weltkrieg brachte katastrophale Ereignisse für Józefów und seine Bewohner mit. Die faschistische Ausrottung des Judentums bezeichnete die Katastrophe für jüdische Bewohner. Aus Juden, die 70 Prozent der Gesamtbevölkerung bildeten, überlebte den Krieg nur eine Person. Die schwarze Karte der Geschichte war der 13. Juli 1942, wann die faschistische Truppen am Winiarczykowa Góra (Winiarczyk-Berg) 1500 jüdischen Stadtbewohner erschoßen. Das tragische Schicksal schonte nicht die polnischen Stadtbewohner. Viele von ihnen gehörten zum Partisanengruppen und leisteten den aktiven Widerstand gegen den Okkupanten. Deswegen litten die Bevölkerung von Józefów und die Bewohner der nahliegenden Dörfer unter zahlreichen Repressionen. Zu den wichtigsten gehörten: 

1. Die Vernichtung von Pardysowka (gegenwärtig ein Teil von Józefów).
2. Der Kampf um Józefów.
3. Die nazistische militärische Operation unter dem Kryptonym „Sturmwind“.

Ad. 1.

Am 29. März 1943 kam es zur Vernichtung von Pardysowka. Sie wurde total verbrannt, 32 Personen wurden getötet und die Mehrheit der Bewohner wurde ins Lager in Zamość deportiert.

Ad. 2.
Józefów, die die Nazis damals für das Widerstandszentrum anerkannten, war mehrmals mit Bomben belegt, endgültig stellten die Nazis am 01. Juni 1943 den Versuch an, Józefów total zu vernichten. Diese Probe war zum Glück dank der braven Aktion der Partisanentruppen von der Armia Krajowa (Landesarmee, abgekürzt AK; im Deutschen meist als polnische Heimatarmee bezeichnet) nicht gelungen. Nach der ganztägigen Schlacht wurden die nazistischen Truppen aus Józefów zurückgeschlagen. In dieser Zeit wurde Józefów und seine Gegend „Republika Józefowska“ (Józefów-Republik) genannt. 

Ad. 3.
Am 18. Juni 1944 begann die nazistische Armee 30 000 Soldaten stark die militärische Operation, deren Ziel die Vernichtung der Partisanengruppen in der Umgebung von Józefów war. Während der Operation kamen ums Leben hunderte Partisanen, nur einzelnen ist es gelungen, aus einem Kessel  auszubrechen. Zu den Partisanen, die diese Schlacht überlebten, gehörte Oberleutnant Konrad Bartoszewski, Pseudonym „Wir“, Stadtbewohner der Józefów, einer der hervorragendsten Befehlshaber der Partisanengruppen, die in der Gegend von Zamość aktiv waren. Sein Name wurde der Schule in Górecko Stare verliehen. Nach dem Krieg begann der Wiederaufbauprozess. Die Anzahl der Bürger wuchs ständig, im Jahre 1951 hatte Józefów 953 Bewohner, im 1973 schon 1400 und 1989 erreichte sie eine Anzahl der Stadtbewohner von 3000. In Józefów entstand eben das erste Gymnasium in befreiten Polen, was von dem großen Engagement der Bewohner zeugt. Die Unterrichtsstunden begannen schon am 15. Oktober 1944. Dank dem Engagement der Bewohner gewann Józefów im 1988 ihre Stadtrechte wieder. Heute erfüllt Józefów die Rolle, von welcher für Józefów Tomasz Józef Zamoyski träumte: sie gilt nun für Administrations-, Handels- und Kulturzentrum in diesem Teil von Roztocze (das Gebiet in südöstlichen Teil Polens in der Woiwodschaft Lublin).